Junioren-WM-Gold für Bildstein/Hussl

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Benjamin Bildstein und David Hussel dürfen sich Junioren-Weltmeister nennen, das 49er-Duo holt bei den U-23-Titelkämpfen vor Flensburg die Goldmedaille.

 

Sie haben bereits Silber und Bronze bei der Junioren-Weltmeisterschaft gewonnen, jetzt kommt mit Gold die schönste Farbe hinzu. Neun Top10-Plätze, darunter drei Tagessiege und ein zweiter Platz im Medal Race – die Bilanz ist beeindruckend, der Vorsprung auf den Rest der Welt entsprechend groß. Elf Punkte sind Benjamin Bildstein (23) und David Hussl (23) letztendlich vor den Italienern Ruggero/Cavalli, die drittplatzierten Briten Taylor/Batten sind bereits 20 Zähler hinten. Und das nach dem erst zweiten Regattaeinsatz nach Bildsteins Schulter-Operation, die den Bregenzer vier Monate vom Wasser fern hielt. Die Sorge, dass die Konkurrenzfähigkeit unter der fehlenden Praxis leiden könnte war umsonst, für das Duo, das seit 2013 Seite am 49er an Seite steht, feiert damit den größten Erfolg in ihrer noch jungen Karriere.

 

Benjamin Bildstein: „Wir haben bereits Silber und Bronze in der Tasche, klar wollten wir Gold, zumal es unsere letzte Junioren-Weltmeisterschaft war, aber meine lange Verletzungspause und die fehlende Regattapraxis hat uns schon Sorgen gemacht. Extrem geholfen hat uns rückblickend das Rio-Training mit Nico Delle Karth und Niko Resch und die super Arbeit der Trainer. Wir waren gut vorbereitet und wurden vor Ort perfekt eingestellt.“

 

Noch einiges beeindruckender wird die Gold-Story, wenn man sich den heurigen Leidensweg von Benjamin Bildstein ansieht. Seine bereits mehrfach luxierte linke Schulter wurde am 26.1.15 beim stürmischen Auftakt des Weltcups in Miami noch einmal massiv beschädigt. Nach der Rückkehr nach Österreich haben ihn die Experten des Olympiazentrum Vorarlberg dazu “verdonnert”, eine klare Abklärung per MR-Arthrographie in Innsbruck vornehmen zu lassen. Die Diagnose Riss des vorderen Labrums machte im Hinblick auf langfristig angesetzte Entwicklung mit Zielrichtung Olympia 2020 eine Operation unumgänglich, die am 22.2. in Innsbruck (Dr. Jürgen Oberladstätter – Praxisgemeinschaft Unfallchirurgie) durchgeführt wurde.

 

Reha und Aufbautraining wurden im Sportservice Vorarlberg unter Federführung von Martin Hämmerle durchgeführt. Ergänzend wurde dabei mit TCM/Akupunktur (Marc Sohm) und einer Ernährungsumstellung (Martin Rinderer – OZ Vorarlberg) gearbeitet. Hilfeich war dabei sicherlich einerseits “Leidensgemeinschaft” mit dem beinahe zeitgleich ebenfalls an der Schulter operierten Weltcup-Turner Michael Fußenegger sowie die Eigen-Erfahrung von Physio Martin Hämmerle, der 2014 selbst eine sehr ähnliche Schulterverletzung hatte. In der Reha wurde zudem das Ziel verfolgt, ein paar Kilo Masse aufzubauen. Am 11.6. waren die beiden dann erstmals wieder Skiff-Segeln am Bodensee, ab 21.6. feierten sie ihr Regatta-Comeback bei der Kieler Woche mit Gesamtrang 4 und dem Wettfahrtsieg im Medal Race.

 

Goldes wert ist neben der professionellen Arbeit im Österreichischen Segelverband das umfassende Umfeld, das nur eine Einrichtung wie ein Olympiazentrum aufbauen kann. Neben den Trainingsmöglichkeiten, der Physiotherapie, der medizinischen Versorgung und dem Ernährungscoaching werden die beiden sportpsychologisch von Christian Uhl betreut. Das Sportservice ist ja Landeskompetenzzentrum des Österreichischen Bundes für Sportpsychologie (ÖBS). Zudem sind die beiden sind als Heeresportler in Dornbirn stationiert – das HLSZ Dornbirn ist das einzige HLSZ, das in ein Olympiazentrum integriert ist.

 

Was die beiden jungen Herren noch besonders macht, ist der Umstand dass sie von zwei Olympiazentren gemeinsam betreut werden – das Olympiazentrum Campus Sport Tirol Innsbruck und das Olympiazentrum Olympiazentrum Vorarlberg unterstützen den Vorarlberger und den Tiroler in enger Abstimmung.

 

 

Benjamin war nur einige Tage nach seiner Rückkehr aus Flensburg schon wieder voll auf Trainingskurs – Natalie Marugg vom Sportservice hat kurz mit ihm gesprochen – über den Junioren Weltmeistertitel und die Faktoren die mitgespielt haben um so weit zu kommen.

 

Ben, du kommst gerade vom Outdoor Training. Keine Zeit sich auf den Lorbeeren des junioren-Weltmeistertitels auszuruhen?

 

Nein – wir hatten ja eine lange Pause ohne Regatten Anfang des Jahres. Wir bleiben jetzt dran und nützen die positive Energie und den Flow den wir gerade haben. Diese Woche finden bereits die Staatsmeisterschaften am Neusiedlersee statt. Zwei Tage danach fliegen wir dann schon wieder nach Rio wo wir mit dem Nationalteam das nächste Trainingslager haben. Auch anschließend geht es mit Regatten weiter.

 

Und das alles nur wenige Monate nach deiner Schulter OP. Wie war die Reha Zeit für dich?

 

Ich war hier im Sportservice in Physiotherapie, habe hier mein Aufbautraining gemacht, mit Ernährungsexperten gearbeitet, war in TCM Behandlung und wir arbeiten zudem mit Sportpsychologen Christian Uhl zusammen.

 

Der riesen Vorteil den ich im Sportservice hatte – gerade während meiner Reha – war, dass ich alles unter einem Dach hatte. Den Physiotherapeuten, die situationsbedingte Abstimmung der Ernährung, der TCM Spezialist – das Zusammenspiel aller Maßnahmen die man braucht ist an einem Ort konzentriert. Somit kann viel effizienter gearbeitet werden. Und das hat sich bezahlt gemacht.

 

Was mir auch sehr gefallen hat war die Motivation der Leute. Ich habe richtig gemerkt, wie das Interesse da war, dass meine Reha den bestmöglichen Outcome hat – nicht nur, „dass es wieder okay wird“. Das ganze Team mit dem ich zusammengearbeitet habe – besonders mein Physio Martin Hämmerle – sind spürbar persönlich hinter mir gestanden.

 

Du hast vorher schon kurz die Sportpsychologie erwähnt. Inwiefern spielte die mentale Komponente in letzter Zeit eine Rolle?

 

Generell kann ich diesem Bereich im Spitzensport eine enorm wichtige Rolle zuschreiben. Techniken kann jeder erlernen. Aber schlussendlich kommt es drauf an was du am Tag X für eine Leistung bringst – und da spielt sich viel im Kopf ab.

 

Vor und während einer WM spielt sich natürlich viel im Kopf ab. Durch die mentale Stärke haben wir es geschafft eine Woche lang konstant zu fahren. Wir waren immer vorne und hatten nie einen Aussetzer. Wir hatten uns unter Kontrolle, sind nie übermütig geworden bzw. wollten nie zu früh gewinnen. Wir haben uns auf unsere Leistung konzentriert und gingen nicht zu viel Risiko ein, wenn uns ein Konkurrent überholt hat. Wir haben nie die Kontrolle verloren und haben dann am Schluss zum richtigen Zeitpunkt zugeschlagen.

 

 

 

Endstand:

49er/10Wettfahrten/2Streicher/+Medal Race*:
1. Benjamin Bildstein/David Hussl AUT 25 (2/1/5/2/(7)/4/1/5/(DSQ)/1/4*)
2. Tita Ruggero/Giacomo Cavalli ITA 36
3. Chris Taylor/Sam Batten GBR 45

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